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Bauchgefühle

Bauchgefühle

Um den Bauch ranken sich viele Sprichwörter und Redensarten: „Das schlägt mir auf den Magen“, „mein Bauch sagt mir ...“ und „Voller Bauch studiert nicht gerne“ als Beispiele. Und jeder kennt vermutlich das Gefühl, wenn eine Situation einem auf dem Magen schlägt, oft ist ja das mit körperlichen Folgen verbunden wie Appetitmangel (oder je nach Typ auch mit Heisshunger), Verdauungsproblemen und Unverträglichkeiten.



Das Gehirn in unserem Bauch

Und was hat der Bauch nun mit der Intuition zu tun? Gemäss vielen wissenschaftlichen Studien ist der Bauch unser zweites Hirn. Ganz viele Ent¬scheidungen werden nicht im Kopf, sondern im Bauch resp. zusammen mit dem Bauch gefällt. Und das nicht nur, wenn wir Schmetterlinge im Bauch haben ...

Die Studien beweisen, was viele von uns bereits wissen, nämlich dass die Verdauung ohne „Kopf-Hirnarbeit“ vonstatten geht und dass die Psyche hingegen einen grossen Einfluss auf die Verdauung hat. So wurde zum Beispiel im Jahr 2000 das erste Medikament gegen Reizdarm (IBS, Irritable Bowel Syndrom) auf den Markt gebracht – dieses wurde ursprünglich als angstlösendes Medikament entwickelt.

IBS oft ohne körperliche Ursache

Man sagt, dass bis zu 20% der Bevölkerung unter IBS leiden, weitere 20% unter anderen Verdauungsproblemen, oft ohne dass die Ärzte einen anatomischen oder chemischen Grund herausfinden. Bei Studien über die Zusammenarbeit von Kopfhirm und Bauchhirn bei IBS-Patienten stellte sich heraus, dass diese die Bauchsignale ungefilterter wahrnehmen als gesunde Menschen. Und die Veränderungen der (Kopf-)Hirnaktivität seien denen von Patienten mit Depressionen und Angstzuständen ähnlich. Rund 40% der IBS-Patienten leiden denn auch an den erwähnten psychischen Problemen.

Stress als Auslöser?

Starke belastende Gefühle wie dauernder Stress, Sorgen und Ängste – in der heutigen Arbeitswelt leider weit verbreitet – werden als Ursache für IBS und andere chronische Magen-Darm-Krankheiten vermutet. Eine bereits mit Stress belastete Kindheit macht zudem anfälliger für spätere Darmprobleme. Der Darm „lernt“ genauso wie das Gehirn bereits in jungen Jahren und entwickelt sich. Die Forscher der University of California sagen aber auch, dass es biologisch Sinn macht, dass starke Gefühle ins Bewusstsein dringen, da man dann beim „nächsten Mal“ besser entscheiden kann.

Was bedeutet das für unseren Alltag?

Grosse psychische Belastungen werden im Darm mitverarbeitet – das kennen die meisten zum Beispiel aus Prüfungssituationen. Und fast wichtiger: chronischer Stress führt in vielen Fällen zu einer Schädigung des Darms. Was dann zu einem Teufelskreis führt: Die Barriere für die „Stressbotschaften“ vom Darm zum Kopf wird gesenkt, es gelangen also mehr dieser „Alarme“ ins Gehirn. Entsprechend ertragen die Betroffenen immer weniger Belastungen und reagieren schon beim geringsten Stress sehr emotional.

Bauchgefühle ernst nehmen

Eigentlich ist unser Bauch eine Art interne Alarmzentrale – viele nennen das auch die Intuition. Wenn etwas für uns emotional oder seelisch nicht stimmig ist, schlägt der Bauch Alarm. Und die meisten von uns merken das – und übergehen es. Ein grosser Schritt zu Heilung von IBS, aber auch von Stress und Burn-out-Symptomen ist also, die Botschaften des Bauches ernst zu nehmen und darauf zu reagieren, indem man sein Verhalten ändert oder unter Umständen sogar sein ganzes Leben. Oft sind die Symptome danach wie weggeblasen.

Manchmal hilft es für eine Entscheidung, wenn man sich die verschiedenen Möglichkeiten vorstellt und die Bauchgefühle dabei ganz bewusst wahrnimmt. Diese warnen nämlich nicht nur, sondern können auch Wohlfühlbotschaften übermitteln.

„Bauch“ ganz wichtig in Tai Chi und Yoga

In den meisten fernöstlichen Entspannungs- und Bewegungstechniken wie Qigong, Tai Chi und Yoga ist der Bauch das wichtige Zentrum vom Körper. Der Begriff Hara resp. Dan Tian bezeichnet die Körpermitte, und die befindet sich ca. 2-3 Fingerbreit unter dem Bauchnabel. Es ist wichtig, dorthin zu atmen und in der eigenen Mitte zu sein. Das gibt ein Gefühl der inneren Stabilität und Gelassenheit, also das, was uns „Westlern“ gerade in der hektischen Arbeitswelt oft verloren geht. Daher eignen sich diese Techniken meistens sehr gut, um das Bauchgefühl wieder besser wahrzunehmen. Zugleich wird der ganze Körper gedehnt und bewegt, was ein idealer Ausgleich zu einer meist sitzenden oder stehenden Tätigkeit ist.

Es ist spannend zu beobachten, wie immer mehr erfolgreiche Manager offen darüber reden, dass sie viele und auch wichtige Entscheide aus dem Bauch heraus treffen. Lassen wir also unsere Intuition vermehrt zu Worte kommen – sie meldet sich übrigens auch gerne, wenn sich etwas richtig gut anfühlt!

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