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stellen-zuerich.ch: Deine Firma nennt sich Individuum. Welche Rückschlüsse kann ich auf das Coaching ziehen?
Patricia Waser: Auf meine Wertehaltung, welche mich und dementsprechend meine Arbeit prägt. Ich lege grossen Wert darauf, dass ich mit dem Coachee, meinem Kunden, eine Veränderung erreiche, wo er weiterhin sich selber sein kann. Somit erarbeiten wir beispielsweise Haltungs- oder Verhaltensänderungen die zum Ziel haben, die eigene Befindlichkeit zu erhöhen. Im Gegensatz zum Entwickeln einer Strategie, um die Erwartungen Dritter besser zu erfüllen. Das Umfeld vermögen wir oft nicht zu verändern, doch wir können in Bewegung bleiben und uns verändern. Denn jede Veränderung hat immer eine Wirkung, und wird dementsprechend das Umfeld beeinflussen.
stellen-zuerich.ch: Unter Coaching stelle ich mir Führungskräfte vor, die einen Schatten als Coach um sich haben, um sie noch leistungsstärker zu machen, indem sie Optimierungspotential eruieren. Was sagst du als Coach?
Patricia Waser: Deine Vorstellung ist nicht abwegig und es gibt tatsächlich solche Begleitungen. Mein Fokus, und ich arbeite oft mit Führungspersonen, liegt aber auf der Entdeckung, Aktivierung und Nutzung vorhandener Ressourcen. Mit Ressourcen meine ich konkret alle zur Verfügung stehenden Mittel, um das eigene Gleichgewicht wieder herzustellen und die Zufriedenheit zu steigern. Somit ist dies auch eine Form von Optimierungspotential – nur steht die Leistungssteigerung nicht im Mittelpunkt. Aber indirekt beeinflusst ein Coaching immer die Leistungsstärke. Dadurch, dass eine zufriedene Person, an der richtigen Stelle eingesetzt, auch qualitativ und quantitativ gute Arbeit leisten will und kann.
stellen-zuerich.ch: Coaching könnte also als Berufsberater für Erwachsene bezeichnet werden, für Menschen die weiter gehen wollen in ihrem Leben?
Patricia Waser: Als Berufsberaterin würde ich mich nicht bezeichnen. Vielmehr sehe ich mein Coaching als Berufungsberaterin und Begleiterin in einer Veränderungsphase. Unterstützend darin, dass ich die Menschen motiviere, sich mit ihren Werten, Visionen, Bedürfnissen etc. auseinanderzusetzen. Es gibt Situationen, in denen es unumgänglich scheint im bestehenden Beruf zu bleiben. Doch auch hier gilt es, Alternativen zu besprechen und weshalb nicht das eine tun und das andere nicht lassen? Manchmal fühlt man sich gefangen und als Opfer von Umständen. Optionen zu besprechen kann Raum und somit Erleichterung und Klarheit bringen.
stellen-zuerich.ch: Wie läuft denn ein klassischer Coaching Prozess ab?
Patricia Waser: Am Anfang jedes Coachings steht das Kennenlernen. Ein Coach muss sympathisch und kompetent sein. Die Sympathie ist individuell und da darf man sich auf das Bauchgefühl verlassen. Denn nur wer sich wohl fühlt, kann vertrauen, sich öffnen, und von einem Coaching optimal profitieren. Danach folgt die Auftragsklärung. Hier gilt es, Konditionen zu besprechen und das Ziel zu definieren. Im Mittelpunkt steht die Antwort auf die Frage: „Was wollen Sie verändern?“ bzw. „Wie merken Sie, dass das Coaching erfolgreich war?“ Jetzt beginnt die eigentliche Bearbeitung. Diese kann in Form von Gesprächen und/oder mittels verschiedensten Methoden stattfinden. Am Ende des Coachingprozesses folgen dann Überprüfung der Zielerreichung und ein Abschluss.
stellen-zuerich.ch: Angenommen ich würde gern ein Coaching machen, verfüge aber privat nicht über die notwendigen Mittel. Was könnte ich tun?
Patricia Waser: Es gibt viele Firmen, die sich finanziell an einem Coaching beteiligen. Es lohnt sich, dies abzuklären. Der Antrag auf ein Coaching ist ein Zeichen, dass die Person bereit ist, an sich aktiv zu arbeiten. Somit ist dies nicht peinlich, sondern eine Bestätigung dafür, dass der/die Mitarbeiter/-in zur Verbesserung einer Situation beitragen will.
Wird ein Coaching für einen möglichen Stellenwechsel bzw. eine Neuorientierung gesucht, muss das individuell geklärt werden. Am besten man bespricht mit dem Coach wie viel einem diese Veränderung „wert“ ist. Das sollte beim Erstkontakt thematisiert werden, da auch das Erstgespräch Kosten verursacht. Aber generell sollte ein Thema/Ziel – je nach Komplexität – in zwei bis fünf Sitzungen schon gut bearbeitet bzw. abgeschlossen sein.
stellen-zuerich.ch: Ich kenne Menschen, die sehr unglücklich in ihrem Job sind, sich dennoch nicht einer neuen Herausforderung stellen. Was rätst Du solchen Menschen?
Patricia Waser: Natürlich kann diese Frage nicht so allgemeingültig beantwortet werden. Aber ich wünsche diesen Menschen, dass sie sich mit der Situation und den Gründen für ihr Verharren oder ihre Ohnmacht auseinandersetzen, sich also bewegen. Ich bedaure es sehr, wenn ich mit ansehen muss, dass sich Personen als Opfer von Umständen oder Gefangene in einer Unternehmung oder Funktion sehen. Es wäre erstrebenswert, dass sie, z.B. in einem Coaching, ihre Möglichkeiten und Ressourcen erarbeiten. Der Coach begleitet den Prozess – doch die Bereitschaft für die Reflexion und die Entwicklung liegt bei jedem selbst.
stellen-zuerich.ch: Schlägt ein derartiges reines Funktionieren nicht auch auf den Körper?
Patricia Waser: Das ist leider zu erwarten; und was mit Kopfschmerzen, Verspannungen und Rückenbeschwerden beginnt, könnte sich längerfristig zu einem gesundheitlichen Problem entwickeln. Auch ein allgemeiner Erschöpfungszustand muss, hinsichtlich eines möglichen Burnouts, ernst genommen werden.
stellen-zuerich.ch: Wann bezeichnest Du ein Coaching als erfolgreich?
Patricia Waser: Wenn das vereinbarte Ziel erreicht und der Coachee erleichtert ist. Und wenn er von einer gesteigerten Lebensqualität berichtet.
stellen-zuerich.ch: Abschluss Frage: Und wer coached einen Coach wie dich? ;-)
Patricia Waser: Es mag erstaunen, aber tatsächlich gehe auch ich ins Coaching, wenn ich ein Thema bearbeiten will. Dies deshalb, weil ich als direkt Betroffene die Vogelperspektive nicht einnehmen kann. Da gönne ich mir einen Seitenwechsel und investiere in ein Coaching. Übrigens; mein letztes Coaching hatte einen Stellenwechsel beziehungsweise den Schritt in die reine Selbständigkeit zur Folge. Ich habe den Schritt bis heute nicht bereut!
Jasmin Gottstein für Stellen-Zürich bedankt sich für das spannende Interview mit Patricia Waser (und freut sich heimlich auf ihr erstes Coaching).